Krankengymnastik

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Inhalt

 

Beurteilung der Möglichkeiten des Patienten durch den Therapeuten

Wie in der Einleitung erwähnt, ist für die Beurteilung welche physiotherapeutischen Methoden eingesetzt werden, der aktuelle gesundheitliche Status des Patienten ausschlaggebend. Bevor die Enzymersatztherapie beginnt, wird in der Regel in einem geeigneten Muskelzentrum ein sogenanntes "Pre-Screening" durchgeführt.

Diese Voruntersuchung beinhaltet auch körperliche Übungen, die ein Aussage über den aktuellen Status des Patienten ermöglichen. Auf Grund dieser Informationen kann der Physiotherapeut sich schon ein ungefähres Bild über den Patienten und die damit erforderliche Physiotherapie machen.

Einen weiteren Überblick über den Allgemeinzustand seines Patienten kann sich der Therapeut wie folgt verschaffen:

  • Durch die vorliegende Diagnose der Erkrankung (Arztberichte, Schilderung des Patienten)
  • In "Augenscheinnahme", d. h. kann man optisch bereits etwas am Patienten erkennen (Watschelgang, gebückte Haltung, rollstuhlpflichtig etc.)
  • Befragung des Patienten auf spezielle Probleme (Bewegungseinschränkungen, Gelenksteifigkeit, Schmerzen, etc.)
  • Testen der Kraft und Beweglichkeit des Patienten (Durchführung bestimmter Übungen, Bewegungen etc.).


Nach Klärung der Fragen kann dann eine Aussage - der physiotherapeutische Befund - über die Muskelkraft, Pseudohypertropien und Atropien der Muskulatur, Gelenkbeweglichkeit, Atmung und Dekubitus getroffen werden.

Wahl der Mittel

Nach dem Ergebnis der Befunderhebung richtet sich die Wahl der geeigneten Therapie. Diese Therapie sollte zwischen dem Patienten und Therapeuten besprochen, wie besprochen durchgeführt und auf die Zweckmäßigkeit hin beurteilt werden. Eine einmal eingesetzte Therapie sollte regelmäßig den neuen Umständen angepasst werden, d.h. wird die Belastung für den Patienten zu groß, so muss das unmittelbar Auswirkung auf das Therapiekonzept haben.

Eine allgemein verbindliche Aussage kann an dieser Stelle weder für Morbus Pompe Patienten noch für andere Muskelerkrankungen getroffen werden. Die Bedürfnisse des Einzelnen und die möglichen Methoden sind so vielfältig, das man keine spezielle Technik empfehlen kann. Was dem einen "gut tut" ist für den anderen bereits zu anstrengend. Hier ist insbesondere das Fingerspitzengefühl des Therapeuten gefordert.

Man kann vielleicht eine kleine Grundregel aufstellen:

  • Je aktiver man selbst ist, desto aktiver kann auch die Physiotherapie sein.
  • Sobald man spürt, dass die persönlichen Grenzen erreicht sind, mit den Kräften haushalten und die Übungen zurückfahren.
  • Die bisherige vorherrschende Lehrmeinung war, nicht bis an die Leistungsgrenzen zu gehen. Mit der Einführung der Enzym-Ersatz-Therapie sollten Übungen "gegen Kraft" in sinnvollem Maße durchgeführt werden, d.h. aufhören, kurz bevor man die Leistungsgrenze erreicht hat. Es darf zu keiner Übersäuerung der Muskulatur und somit zum Muskelkater führen.
  • Keine extremen Muskeldehnungen.
  • Kein maximaler Stretch.

 

Zielsetzung der physiotherapeutischen Maßnahmen

Die wesentlichen Ziele der Physiotherapie bei Muskelerkrankungen kann man wie folgt beschreiben:

  • Erhaltung der Muskelkraft
  • Erhaltung der Beweglichkeit (Flexibilität, Stabilität, Gleichgewicht)
  • Vermeidung von Einsteifung der Gelenke
  • Vermeidung bzw. Entgegenwirken von Krämpfen (z. B. Wadenkrämpfen)
  • Förderung der Durchblutung der Muskulatur
  • Verhütung von Kontrakturen, Dekubitus, Pneumonien und Thrombosen bei bettlägerigen oder Rollstuhl-Patienten
  • Schmerzreduzierung

 

Langfristverordnung / Verordnung außerhalb des Regelfalles von Physiotherapie bei Morbus Pompe

Die aktuelle Heilmittelrichtlinie (Stand 01.01.2017) und der aktuelle Heilmittelkatalog regeln unter anderem die Häufigkeit von Physiotherapie bezogen auf die jeweilige Erkrankung.

  • Die Glykogenspeicherkrankheiten - Glykogenose (Diagnoseschlüssel E74.0) ist in der Anlage 2 zur Heilmittel-Richtlinie: Diagnoseliste zum langfristigen Heilmittelbedarf nach § 32 Abs. 1a SGB V(mit Wirkung ab dem 01.01.2017), ausdrücklich geregelt.
    Download (pdf)


"Heilmittelverordnungen außerhalb des Regelfalls sind vor Fortsetzung der Therapie bei der Krankenkasse zur Genehmigung vorzulegen. Die Krankenkassen haben allerdings die Möglichkeit, auf ein Genehmigungsverfahren für Verordnungen außerhalb des Regelfalls zu verzichten."

Quelle: GKV Spitzenverband

Behandlungsintervall

  • Das Behandlungsintervall sollte grundsätzlich mindestens 1 mal, besser 2 mal, die Woche betragen.
  • Bei bereits fortgeschrittener Erkrankung sollten mindestens 2 bis 3 Behandlungen pro Woche erfolgen.
  • Im Einzelfall, z. B. wenn noch andere Erkrankungen hinzukommen wie Lymph-Probleme (Lymph-Drainage, Bindegewebsmassage), auch mehr als 3 Behandlungen pro Woche.
  • Wird die Enzym-Ersatz-Therapie durchgeführt, ist neben mindestens 2 KG-Terminen pro Woche auch erhebliche Eigeninitiative gefragt. So z. B. dort, wo es noch möglich ist, viel Bewegung, Laufband, Heimtrainer, Motomed Viva (Fahrrad für Rollstuhlfahrer) Galileo Trainingsgerät etc.