Individuelle Masken

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Wann wird eine individuelle Maske benötigt?

Eine individuelle Maske wird immer dann erforderlich, wenn die vorhandenen Standardmasken nicht oder nicht mehr toleriert werden oder wenn Sie erhebliche Probleme bei bzw. unter der Beatmung haben (siehe auch Beatmungsprobleme). Nachfolgend möchte ich zwei individuelle Masken-Typen beschreiben, sowie deren Vor- und Nachteile und welche wesentliche Probleme mit einer individuellen Maske behoben werden können.

Was gibt es für individuelle Masken?

Es gibt sicherlich so viele verschiedene individuelle Masken wie es Gesichter gibt. Man kann allerdings im Wesentlichen zwei Grundtypen unterscheiden.
Es gibt die:

  1. Nasenmaske und die
  2. Vollmaske (Mund-Nasen-Maske)

Anmerkung:
Die nachfolgenden Bilder habe ich von meinen Masken gemacht. Sie sollen unabhängig vom Fabrikat oder des Herstellungsverfahrens nur die Funktionsweise bildlich untermauern.

 

1. Die Nasenmaske:

Wie der Name schon sagt, umschließt diese Maske nur die Nase. (siehe Abb. unten und rechts)
Individuelle Nasenmaske

 



Abbildung einer individuellen Nasenmaske (Innenansicht)Abbildung einer individuellen
Nasenmaske (Draufsicht)

Die Maske ist innen so geformt, dass die Luft über zwei kleine "Röhrchen" direkt in die Nase strömen kann. Das hat den Vorteil, dass kein Lufttotraum entsteht. Der Beatmungsdruck wird niedriger, die Maske sitzt dicht, gerötete Augen gehören der Vergangenheit an.

Beim Tragen der Maske bleibt der Mund frei (siehe Abb. links). Mit dieser Maske kann man unter der Beatmung mit ein wenig Übung noch sehr gut kommunizieren.

Das führen eines Telefongespräches unter gleichzeitiger Beatmung mit dieser Maske ist ebenfalls problemlos möglich.

Diese Maske wurde in Lizenz hergestellt von der Firma Airtec-Beatmungshilfen.

 


2. Die Vollmaske (Mund-Nasen-Maske):

 

Die Vollmaske umschließt sowohl die Nase als auch den Mund. (siehe Abb. links) Das Kinn wird bei dieser Maske mit "eingefasst". Der große Vorteil ist hierbei, dass ein Luftleck unter der Beatmung verhindert wird.

Die Maske ist absolut dicht (99 %). Durch die Verwendung von Materialien aus der Anaplastologie wird die Maske während des Tragens körperwarm. Sie ist leicht, drückt nicht und lässt sich gut reinigen. Eine Standardmaske ist keine wirkliche Alternative.

Individuelle Mund-Nasen-Maske.
Diese Maske wurde hergestellt vom Institut-Schilling. 
 

Die gezeigten Bilder sind nur exemplarisch. Spezielle Anforderungen erfordern auch besondere Masken. Masken für Kinder haben die gleiche Funktionsweise und werden oft auch in einem mehrfarbigen Material gefertigt, um beatmeten Kindern den Umgang mit der Beatmung zu erleichtern. Die Zuführung des Schlauchsystems ist auch individuell unterschiedlich. Bei den abgebildeten Masken ist die Schlauchführung um 360 Grad drehbar, d.h. der Schlauch kann flexibel in jede Richtung gelegt werden, je nach persönlichem Schlafverhalten. Das Atemgerät kann so recht oder links vom Bett, aber auch oberhalb des Bettes gestellt werden.

Die Schlauchzuführung kann auch starr in eine Richtung (z.B. nach unten) angebracht werden. Es gibt viele Anschluss-Varianten, auch für dickere Schläuche, die z.B. mit Messfühlern ausgestattet werden können.

Und wofür benötige bzw. wie verwende ich die jeweilige Maske?

Beide Masken, das heißt sowohl Nasen- als auch Vollmaske, können tagsüber oder auch nachts verwendet werden. Entsteht beim Schlafen ein Luftleck, empfiehlt sich die Vollmaske. Möchte man z.B. tagsüber viel kommunizieren, sollte man auf die Nasenmaske zurückgreifen.

Vorteile individueller Masken


Der Trage-Komfort einer individuell angepassten Maske ist um ein vielfaches besser, als bei einer Standardmaske. Aber es gibt noch mehr positive Punkte, die hier erwähnt werden sollen:

  • Es gibt keine eng sitzende Maske mehr, dass heißt kein Druck mehr am Kopf.
  • Gerötete und tränende Augen entfallen, da die individuellen Masken zu 99 % "dicht" sind.
  • In einigen Fällen kann der Beatmungsdruck gesenkt werden. Es ist kein Druck mehr zu Überbrückung eines "Totraumes" erforderlich, wie er bei Standardmasken vorkommt.
  • Die individuellen Masken bestehen aus weniger Teilen, lassen sich leichter zerlegen und sind somit besser zu reinigen.
  • Die individuellen Masken sind etwas leichter.
  • Durch Verwendung von Materialien aus der Anaplastologie*, werden die Masken "körperwarm". Das Gefühl einen Fremdkörper auf dem Gesicht zu haben wird merklich reduziert.

Nachteile individueller Masken


Ein paar Nachteile gibt es allerdings auch bei individuellen Masken:

  • Eine individuelle Vollmaske liegt komplett auf dem Gesicht auf, d. h. unter der Maske schwitzt man Nachts. Dadurch kann ein Hautpilz entstehen. Den bekommen Sie nur mit Medikamenten (Salben) wieder weg (Hautarzt!). Allerdings gibt es eine vorbeugende Möglichkeit, die ich unter "Beatmungs-Probleme" ausführlicher beschrieben habe.
  • Bei einer individuellen Vollmaske ist der Mund versiegelt. Das führt unter Umständen anfangs zu leichten Panikattacken. Zudem ist durch diese "Versiegelung" die Kommunikation etwas erschwert.
  • Bei extremer Zunahme oder Abnahme des Körpergewichtes verändert sich in der Regel auch die Gesichtsform. Das kann dazu führen, dass die individuelle Maske nicht mehr "passgenau" sitzt. Sollte das tatsächlich vorkommen, muss eine neue Maske angepasst werden.

Andere Nachteile sind mir persönlich bisher mit den individuellen Masken während der Nutzung nicht aufgefallen.

Die Masken sind allerdings um einiges teurer als die Standardmasken. Mehr zur Kostenübernahme durch die Krankenkasse finden Sie hier.

Wo und wie bekomme ich eine individuelle Maske?

Halten Sie zunächst die negativen Syptome, die Sie bei der Beatmung mit einer Standardmaske haben, schriftlich fest. Gehen Sie zu Ihrem Facharzt (Pulmologe oder Neurologe mit pulmologischen Kenntnissen), schildern Sie die Probleme und lassen Sie sich eine individuelle Maske verordnen.

Wer gute Masken herstellt, dass kann man im Glücksfall über eine Selbsthilfegruppe bzw. deren Kontaktpersonen erfahren -> siehe unter Kontakt ;-)
Aber auch Muskelvereine, wie z. B. die Deutsche Gesellschaft für Muskelkranke (DGM), können Ihnen da sicherlich weiterhelfen.

Es gibt nun verschiedene Möglichkeiten eine individuelle Maske zu erhalten.

  1. Die Anpassung bereits im Krankenhaus / Schlaflabor durch einen Spezialisten

    Der Normalfall sieht häufig so aus, dass man im Krankenhaus zunächst mit einer Standardmaske versorgt wird und dann erst bei einem späteren, weiteren Besuch in der Klinik eine individuelle Maske erhält. Es ist natürlich auch davon abhängig, ob und über wie viel Erfahrung eine Klinik mit der Anpassung von individuellen Masken verfügt. Dieses Thema kann wohl bei vielen Kliniken noch nicht vollständig (wissensmäßig und technisch) umgesetzt werden.

    Die Masken werden in der Regel über externe Dritte angefertigt. Die Masken-Hersteller sind manchmal im Bereich der Zahnmedizintechnik angesiedelt oder kommen aus dem Bereich der Anaplastologie*. Das hängt wohl ursächlich mit den verwendeten Materialen zusammen.
  2. Die nachträgliche Anpassung bei einem Spezialisten.

    Sie haben einen Hersteller gefunden, dann fahren Sie (mit der Verordnung im Gepäck) zu ihm und lassen sich die Maske anpassen.
  3. Die nachträgliche Anpassung durch einen Spezialisten im häuslichen Bereich

    Die andere Variante ist, der Maskenhersteller kommt zu Ihnen ins Haus und macht "vor Ort" einen Abdruck. Da spiegelt sich auch gleich der "gute Service" wieder.

In allen drei Fällen erhalten Sie die Maske ca. 1 bis 2 Wochen nachdem der Abdruck gemacht wurde. Kleine Unebenheiten bei der Maske sind zwar selten, können aber vorkommen. Hier stimmen Sie mit dem Hersteller die weitere Vorgehensweise ab. Im Normalfall machen Sie mit einem Filzschreiber einige Markierungen dort an der Maske, wo sie drückt. Dann senden Sie die Maske an den Hersteller, dieser nimmt die kleinen Korrekturen (wegschleifen) vor und Sie erhalten die Maske per Post zurück.

* Anaplastologie = Erstellung von künstlichen Körperteilen mit körpergerechten Materialien (silikonartig). Zum Beispiel künstliche Ohren bei Verbrennungsopfern, oder künstliche Augenpartien nach Tumoroperationen, um nur zwei Beispiele zu nennen.

Was ist zu tun, wenn auch die individuelle Maske nicht toleriert wird?

Was ist zu tun, falls sowohl die individuelle Maske als auch eine Standardmaske nicht toleriert wird? In diesem Fall ist der erste Ansprechpartner der Pulmologe / Lungenfacharzt. Hier muss dann ein Beratungsgespräch über Beatmungsalternativen geführt werden.